Anzinger Straße: Bebauungsplan mit 515 Wohnungen gescheitert

27. August 2020

Auf dem ehemaligen Zündapp-Grundstück an der Anzinger Straße 23-29 werden nun doch keine Wohnungen gebaut. Der Kölner Investor Pandion hat nach mehrjährigen Auseinandersetzungen mit dem Unternehmen auf dem Nachbargrundstück das Handtuch geschmissen. Dort, wo ursprünglich ein neues Wohnquartier mit 515 Wohneinheiten, einer Kita sowie Geschäfte, Restaurants und Cafés  in den Erdgeschosszonen geplant waren, sollen jetzt nur noch Büros entstehen.

Das Problem liegt nebenan und heißt Qualcomm. Das Unternehmen ist der viertgrößte Halbleiterhersteller der Welt und zentraler Anbieter von 5G-tauglichen Modem- und Smartphone-Chips. Der einzige Produktionsstandort liegt in München an der Anzinger Straße. Hier wird alles – vom Modem bis zur Antenne für alle Frequenzen – gefertigt, zudem sind hier Forschung und Entwicklung untergebracht. Weil dabei diverse Chemikalien und Lösungsmittel genutzt werden, wird das Hauptquartier als Industrie-Emissionsbetrieb eingestuft.

Baustelle Anzinger Straße

Auf dieser Fläche sollten ursprünglich 515 Wohnungen entstehen. Nun kommen Büros. Foto: Unser Berg am Laim

Ein Problem fürs Nachbargrundstück. Aus Immissionsschutzgründen reduzierte Pandion auf 360 Wohneinheiten, strich das eigentlich geplante Hochhaus und die Gewerbe-Ecküberbauung. Doch Qualcomm machte der Stadt und Pandion deutlich, dass man keine Betriebseinschränkungen durch die Baupläne nebenan hinnehmen werde. Verhandlungen über eine entsprechende Nachbarschaftsvereinbarung zogen sich zwei Jahre hin – ohne Erfolg!

In dieser Zeit erhielt Qualcomm zudem für seine Firmenerweiterung zusätzliche Genehmigungen gemäß dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Die Folge für Pandion: Noch höhere Immissionsschutzauflagen.

Obwohl die Stadt dem Investor zuletzt den notwendigen Bebauungsplan sogar ohne Vereinbarung genehmigen wollte, zog Pandion die Reißleine. Zu groß die Furcht vor Rechts- und Realisierungsrisiken.

Nun sollen auf dem gesamten Areal Bürogebäude realisiert werden. Sehr zum Ärger des Bezirksausschusses Berg am Laim. Die Stadtteilpolitiker würden dort lieber Wohnungen sehen, das erklärten sie auch dem Planungsreferat. Doch auch ein runder Tisch des Bezirksausschusses mit Planungsreferat und Pandion hat zu keiner Änderung geführt, berichtete der BA-Vorsitzende Alexander Friedrich (SPD) auf der jüngsten Sitzung. Der Bezirksausschuss möchte auf Anregung der Grünen bis zur nächsten Sitzung Ideen sammeln, welche sozialen Nutzungen in den neuen Gebäuden mit untergebracht werden könnten.

Fabian EwaldAnzinger Straße: Bebauungsplan mit 515 Wohnungen gescheitert