Leihräder-Wahnsinn: Die gelbe Radl-Flut

23. September 2017

Nein, nicht rot, München sieht gelb! Nein, es sind keine Bienen- oder Wespenschwärme. Es sind Fahrräder, Leihfahrräder von Obike, eines Anbieters aus – Singapur! Auch in Berg am Laim stehen und liegen gefühlt an jeder Ecke, entlang fast eines jeden Grünstreifens die Drahtesel. In der Stadt­verwaltung gibt es inzwischen Überlegungen, wie die Zahl dieser neuen (Billig-) Leihräder begrenzt werden kann. Der Bezirksausschuss Sendling-Westpark hat als erstes Kommunalparlament bereits einen Antrag eingereicht, um die gelbe Radl-Flut einzudämmen.

Obike

Obikes am Parkeingang an der St.-Michael-Straße. Foto: Unser Berg am Laim

Momentaufnahme an der Kreillerstraße. Innerhalb von wenigen Metern an der Tramstation Mutschellestraße steht hier allein ein Dutzend Obike-Räder.

Wobei von Stellplätzen nicht die Rede sein kann. Die Fahrräder – allesamt ohne Gangschaltung – liegen auf den Grünstreifen, sind dort quasi entsorgt worden, einige sind stehend abgestellt, manche sind an Bäume angelehnt, andere an Stahlbügel am Straßenrand. An Parkeingängen, auf Plätzen, im Gebüsch: Kein Platz ist vor dem Radl-Wahnsinn sicher.

Die optische Verschandelung ist vielen Bürgern – zu Recht – ein Dorn im Auge. Weitaus schlimmer ist aber, dass die Leihräder behindern, Verletzungsgefahr nicht ausgeschlossen. Fußgänger, Roll­stuhlfahrer, Mütter mit Kinderwagen müssen vielfach einen Bogen um die in die Wege reichenden Räder machen. Auch Fahrradfahrer sind betroffen, sie müssen immer wieder Slalom fahren.All das passt zu den Vorstellungen des Betreibers. Die Nutzer können nach Gebrauch das Rad ab­stellen, wo sie möchten, sie sollen es lediglich an einem „geeigneten Ort“ parken. Der Anbieter will Kunden für kurze Strecken gewinnen.

Via App muss man sich für 79 Euro Kaution per Kreditkarte registrieren (Studenten 29 Euro). Ebenfalls über die App kann man den Standort des nächsten geparkten Rads ausmachen, es reservieren und entsperren. 30 Minuten Leihe kosten dann einen Euro.

Der Bike-Betreiber hatte sein Geschäft Anfang August mit 350 Rädern gestartet. Und täglich wächst die Flotte. Ende September sollen angeblich 7000 Leihräder in München zur Verfügung stehen. Dazu sollte man wissen: Die Münchner Verkehrsgesellschaft hat in ihrem Projekt MVG Rad derzeit 1200 Bike – Ziel sind mehr als 3000. Der Anbieter Call-a-Bike (Deutsche Bahn) verfügt ebenfalls über 1200 Stahlrösser.

Just in der Anbieterzahl liegt das Problem, wenn die Stadt den gelben Radl-Wahnsinn in den Griff bekommen, die Radl-Zahl begrenzen will. Im Rathaus müsste dazu eine Satzung erstellt und verabschiedet werden, die dann für alle bestehenden (und auch neuen) Anbieter gilt. Prinzipiell darf nämlich ein jedes Unternehmen Fahrräder verleihen. Fürwahr eine Herausforderung, eine rechtliche Herausforderung für die Verwaltung, den richtigen Dreh zu finden.

Fabian EwaldLeihräder-Wahnsinn: Die gelbe Radl-Flut