Berg am Laim und die Ziegel

26. August 2017

„Berg am Laim“ – schon der Name des Stadtbezirks weist darauf hin, dass seine Geschichte über viele Jahrhunderte hinweg mit dem Abbau von Lehm und der Herstellung von Ziegeln verbunden war. So bezeichnete der Name Berg am Laim ursprünglich eine Siedlung „ad Perke“, also am Berg, „auf dem Laimb“, gemeint ist hier Lehm. Der Berg, eine Erhöhung am östlichen Rand einer Lehmzunge, ist heute zwar verschwunden – die lange Geschichte des Lehmabbaus und der Ziegeleien ist jedoch auch heute noch präsent.

Ziegelei

Ziegelei an der Rosenheimer Straße um das Jahr 1770, im Hintergrund die Kirche St. Michael Berg am Laim.

 

So wurde bereits im 14. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Berg am Laims Lehm abgebaut, der für Kirchen und Repräsentationsbauten in München verwendet wurde. Weil auch in der damaligen Hofmark Berg am Laim – deren Ursprünge sich rund um die jetzige Kreuzung Josephsburgstraße/Baumkirchner Straße befanden – größere Bauvorhaben anstanden (etwa die Pfarrkirche St. Michael), errichteten die Hofmarksherren dann im 17. und 18. Jahrhundert auch hier eigene Ziegelstadel, um den abgebauten Lehm gleich vor Ort zu Ziegeln weiterverarbeiten zu können.

Im großen Maßstab begann die Ziegelherstellung durch Unternehmer schließlich ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Trockenstadel und hohe Kamine waren fortan prägend für die Region. Der Ringofen, der die Ziegelproduktion revolutionierte, wurde in Berg am Laim entwickelt. Um die zeitintensive und körperlich anstrengende Handarbeit durchführen zu können, wurden durch die inzwischen vermögenden Ziegeleibesitzer jährlich rund 1000 Ziegelarbeiter aus Norditalien nach Berg am Laim geholt.

Ziegeleien befanden sich etwa entlang des heutigen Echardinger Grünstreifens. Im Bereich der Schulen im Süden der Anlage befand sich die „Echardinger Ziegelei“, die erst im Jahr 1958 abgebrochen wurde. Der sogenannte Zeugnerhof – heute ein Kinder- und Jugendtreff – diente in früheren Zeiten als Wohn- und Ökonomiegebäude der Ziegelei Huber, die sich nördlich der jetzigen Berg-am-Laim-Straße befand. Die inzwischen vielbefahrene Straße diente schon damals als Transportweg für die Ziegelprodukte aus den umliegenden Ziegeleien – der Grund, warum sie wesentlich höher liegt, als die umgebenden Flächen, wo über die Jahrhunderte der Lehm abgetragen wurde.

Maximilianeum

Auch das Maximilianeum ruht auf Ziegeln aus Berg am Laim. Foto: Unser Berg am Laim

 

In der ganzen Münchner Region, insbesondere aber im Osten, hatten Ziegeleien eine große Bedeutung für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung, über Jahrhunderte hinweg prägten Ziegel die Stadtarchitektur.

In zahlreichen Gebäude in München findet sich Baumaterial aus Berg am Laim: So stammt beispielsweise ein großer Teil des Lehms, der für den Bau der Frauenkirche verwendet wurde, aus dem Abbaugebiet in Berg am Laim. Aber auch im Fundament des Maximilianeums, in dem heute der Bayerische Landtag seinen Sitz hat, kamen Ziegel aus Berg am Laim zum Einsatz.

Auch heute bemüht man sich vor Ort noch, an die lange Ziegeleigeschichte Berg am Laims zu erinnern. Sichtbar wird dies inzwischen wieder mitten im Stadtteilzentrum: Der neugestaltete Grüne Markt an der Baumkirchner Straße ist beispielsweise als großer Ziegelkreis angelegt. Ziegel kamen zudem bei der Gestaltung des U-Bahnhofs Kreillerstraße zum Einsatz. Nicht zuletzt heißt der Platz im neu entstehenden Quartier „Baumkirchen Mitte“ Mattoneplatz – mit dem italienischen Wort für Ziegel soll hier insbesondere an die zahlreichen Leiharbeiter aus Italien erinnert werden.

Literaturhinweis: Der vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München herausgegebene „ThemenGeschichtsPfad Ziegeleien im Münchner Osten“ lädt dazu ein, sich auf die Spuren der Ziegeleien zu begeben. Erhältlich ist die Broschüre im Infopoint Museen & Schlösser in Bayern im Alten Hof oder online unter www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kulturreferat/Stadtgeschichte/ThemenGeschichtsPfade/Ziegeleien.html

Fabian EwaldBerg am Laim und die Ziegel