Letzte Frist und ein Zaun mit altgriechischer Kampfansage

4. April 2019

Die Griechen haben für den Bau ihrer Schule in Berg am Laim abermals einen kleinen, letzten Aufschub erhalten. Am 10. April will der Stadtrat endgültig über Kompromiss oder Klage entscheiden. Derweil gab es an der Baustelle einen überraschenden Zaun-Wechsel und eine altgriechische Kampfansage.

„Molon Labe“ ist eine altgriechische Redewendung und heißt so viel wie „Komm und hol sie dir“. König Leonidas von Sparta soll dies bei der Schlacht 480 v.Chr. auf die Aufforderung des persischen König Xerxes geantwortet haben. Xerxes hatte angeboten, Leonidas und seine Truppen am Leben zu lassen, wenn sie aufgeben und ihre Waffen niederlegen. Bis heute wird der Ausdruck verwendet, um die Entschlossenheit deutlich zu machen, nicht kampflos aufzugeben.

Molon Labe

Kampfansage: Einen Tag lang hing ein Transparent mit der Aufschrift „Molon Labe“ am neuen Bauzaun. Foto: Unser Berg am Laim

Einen Tag lang hing ein Plakat mit diesem Zitat vor der Baustelle der griechischen Schule in Berg am Laim. Dann entfernte die Stadt es – von ihrem Zaun. Genau das dürfte der Auslöser für die Worte gewesen sein. Denn völlig überraschend hatte eine mit der Baustelle betraute Firma die Absicherung abbauen lassen. Offenbar eine Panne auf Griechen-Seite. Inzwischen ist zu hören, dass die Miete für den Bauzaun über längere Zeit nicht bezahlt worden sei. Die Rede ist von rund 50.000 Euro Schulden.

Das Kommunalreferat reagierte unverzüglich und ließ einen eigenen Zaun aufstellen. Zur Absicherung der Baustelle, die direkt neben dem Michaeligymnasium und dem Phönix-Sportverein liegt.

Der Zaun-Wechsel könnte im Streit um die griechische Schule eine durchaus wichtige Rolle spielen. Bislang hatte das Metallgitter der Republik Griechenland den Anspruch auf den Besitz des Areals gesichert, das mit Verweis auf internationales Recht niemand unerlaubt betreten durfte. Der Verzicht auf den Zaun könnte als Verzicht auf diesen Anspruch gewertet werden. Andererseits könnte der neue Zaun der Stadt von den Griechen als Besetzung ihres Hoheitsgebiets beurteilt werden. Auf jeden Fall arbeiten die Juristen im Rathaus gerade emsig an der Bewertung des Vorfalls.

Sie muss zum 10. Mai vorliegen. Dann steht das Thema Griechische Schule auf der Tagesordnung in der Stadtratsvollversammlung. Zur offenbar wirklich endgültigen Entscheidung. Auf dem Tisch liegt ein Angebot der Stadt, das Grundstück (das ihr laut Grundbuch eigentlich schon wieder gehört) für 6,7 Millionen Euro zurückzukaufen – obwohl der Gutachterausschuss es nur auf 3,8  Millionen Euro geschätzt hat. Die Griechen hatten ursprünglich 8,1 Millionen gefordert plus Ersatz für die Investitionen in den Rohbau.

Die Abbruchkosten für die erdbebensichere Bauruine betragen nach Schätzung des Baureferats drei Millionen Euro, die Griechen sollen daran mit nur maximal 680.000 Euro beteiligt werden.

Nach dem Abriss würde die Stadt ein neues Schulgebäude bauen und einen Teil für rund 500 Schüler an Griechenland vermieten, der andere Teil wird eine Erweiterung des Michaeligymnasiums. Ein eigenständiges neues Gymnasium für Berg am Laim wäre damit vom Tisch, die ursprünglich geplante Kindertagesstätte unsicher.

Auch die ortsübliche Miete für ihren Gebäudeteil (Baukosten: rund 40 Millionen) wollen die Griechen offenbar nicht zahlen, ebenso wenig wollen sie wohl auf ihren Besitzanspruch für das Grundstück verzichten. Deshalb bereitet die Stadt parallel gerade eine Klage auf Herausgabe des Areals vor.

Fabian EwaldLetzte Frist und ein Zaun mit altgriechischer Kampfansage