Franziska Lederer: Zwischen Führerstand und Schießstand

21. September 2018

Franziska Lederer hat stets ein Ziel vor Augen – im Hobby wie im Beruf. Die gebürtige Berg-am-Laimerin ist erfolgreiche Sportschützin und Lokführerin bei der Münchner S-Bahn.

Nur fünf Ringe mehr und Franziska Lederer wäre bei den gerade abgelaufenen Deutschen Meisterschaften im Sportschießen im Finale gestanden. Dort hätte sie sich mit der Silbermedaillengewinnerin von Rio und anderen Nationalkaderschützen gemessen. „Möglich gewesen wär’s“, bilanziert Lederer, „hätten nur ein paar Achter weniger sein müssen.“

Franziska Lederer

Franziska Lederer am Schießstand. Foto: privat

Außergewöhnlicher war ihr zweiter DM-Start: in der neuen Disziplin LP Mehrkampf. Dort gibt es noch nicht mal eine eigene Damenklasse, Lederer schoss bei den Herren mit – als eine von insgesamt nur fünf Frauen, die sich qualifiziert hatten. Und als einzige Schützin aus ganz Bayern! Am Ende musste sie mit zwei Männern ins Stechen um den Bronzeplatz und landete auf Rang 5.

Franziska Lederers Erfolge haben eine Vorgeschichte. Viele Jahre war die 26-Jährige im Bayern-Kader, stand auf der Liste der besten Pistolenschützen Deutschlands.

Ihr Heimatverein ist der Eisenbahner-Sportverein (ESV) München-Ost. „Dort habe ich damals mit Taekwondo angefangen, an meinem 12. Geburtstag bin ich dann rüber zu den Schützen gewechselt.“ Eigentlich als Luftgewehr-Schützin. Noch heute schießt sie auch diese Disziplin sehr erfolgreich, qualifiziert sich auch hier alljährlich mindestens bis zur Bayerischen Meisterschaft. Im Verein ist sie derzeit sogar in beiden Disziplinen Schützenkönigin, also quasi Doppelkönigin, und repräsentiert die ESVler beim traditionellen Schützenzug aufs Oktoberfest.

Auch beruflich nahmen die Schützen Einfluss. Die Berg-am-Laimerin ist gelernte Büchsenmacherin, hat ihre Ausbildung in Kochel am See absolviert. Doch die Zukunftsaussichten in dem traditionsreichen Metier werden immer schlechter. So entschied sich Lederer zur Umschulung und wurde Lokführerin bei der S-Bahn München. „Offiziell nennt sich das Triebfahrzeugführerin.“ Wieder so eine Männerdomäne, in der Frauen nicht unbedingt zum Alltagsbild gehören.

Franziska Lederer S-Bahn

Franziska Lederer im Führerstand ihrer S-Bahn. Foto: Unser Berg am Laim

Jeden Tag ist Lederer auf einer anderen Verbindung im großen Münchner Netz unterwegs. „Man lernt die Routen wirklich alle auswendig, kennt Steigungen, Bremspunkte und andere Besonderheiten.“

Ihre Lieblingsstrecke: „Die S7 von Kreuzstraße nach Wolfratshausen – da siehst du die Berge und fährst quasi durch die Gärten.“ Bei so einer Umgebung vergeht die Zeit bei den zwischen sieben und elf Stunden dauernden Schichten ein wenig schneller. Heftig ist allerdings oft ihr Dienstbeginn: 3.50 Uhr am Bahnsteig!

Wie beim Sportschießen muss man sich auch am Führerstand stark konzentrieren. Anfangs sei sie bei den Fahrten total unter Strom gestanden, gesteht Lederer. Trotz der Schienen kann man sich nämlich auch mit einer S-Bahn verfahren. „Wenn man die Weichen falsch gestellt hat, wenn man wegen irgendeinem Vorfall eine Ausweichroute nehmen muss.“ Zudem hat die Lokführerin die Pflicht, ihre Fahrgäste bei Besonderheiten zu informieren. In den alten S-Bahnen muss sie die Stationen noch selbst ansagen.

Mittlerweile hat Franziska Lederer jedoch viel Routine, kann Situationen besser einschätzen und handhaben.
Seit 2013 wohnt Franziska Lederer mittlerweile in der Eisenbahnersiedlung, erlebt die Veränderung im Stadtbezirk gerade hautnah. Beim Blick auf das Neubaugebiet Baumkirchen-Mitte und auf die Planungen für das Areal an der Truderinger Straße wird ihr bange. „Es ist jetzt schon alles so dicht bebaut und nun kommt das letzte große Grün auch noch weg.“ Als großes Problem sieht sie vor allem den zunehmenden Verkehr, gerade in dem Gebiet zwischen ESV und Eisenbahnersiedlung.

Fabian EwaldFranziska Lederer: Zwischen Führerstand und Schießstand