Kunst und Spirituosen: Zu Besuch in Berg am Laims Gin- und Absinth-Atelier

3. Dezember 2017

Wenn man das Atelier von Sebastian Rauscher betritt, fallen einem zunächst die großen, farbenfrohen Ölgemälde an der Wand ins Auge. Erst auf dem zweiten Blick sieht man die kupferfarbene, kleine Destille in der Ecke des Künstlerateliers. Rauscher ist Künstler und zugleich Destillateur. Er verbindet die Malerei mit Spirituosen, die Kunst mit dem Genuss.

Sebastian Rauscher

Sebastian Rauscher in seinem Atelier. Foto: Unser Berg am Laim

Bereits seit fünf Jahren ist Rauscher mit seinem Atelier in den Optimolwerken im Berg am Laimer Werksviertel ansässig. Seit dem vergangenen Jahr jedoch haben seine Räumlichkeiten noch eine weitere Funktion: Sie dienen gleichzeitig als Destillerie für Gin und Absinth. Damit betreibt Rauscher die erste Gin-Destillerie im Stadtbezirk Berg am Laim und produziert den ersten Absinth in ganz München.

Dass Rauscher heute Künstler und Destillateur ist, ist nicht selbstverständlich.

Er wuchs in Schwabing auf, ist gelernter Schreiner und studierte Innenarchitektur. Schon früh begeisterte er sich für verschiedene Geschmäcker und vielfältige Aromen. In seiner Studienzeit war Kochen seine Leidenschaft, später richtete er als Innenarchitekt Restaurants ein. In dieser Zeit wuchs auch der Wunsch, selbst kulinarisch tätig zu werden.

Gleichzeitig ist Rauscher vom Handwerk des Schreiners noch heute begeistert: „Es macht Freude, etwas herzustellen und das Ergebnis seiner eigenen Arbeit in den Händen zu halten“, sagt er. Dieser Gedanke hat sicherlich auch mit dazu beigetragen, dass er später eine Karriere als Künstler einschlug und sein eigenes Atelier in den Optimolwerken anmietete.

Ölgemälde

Aus diesem Ölgemälde werden Banderolen für Rauschers Flaschen. Foto: Unser Berg am Laim

Das Malen brachte Rauscher sich autodidakt bei, genauso wie nun das Destillieren von Spirituosen. „Ich habe zunächst in ganz kleinem Maßstab experimentiert und verschiedenste Früchte und Kräuter destilliert – praktisch alles, was ich in die Finger bekam“. Die Ergebnisse und die geschmackliche Vielfalt begeisterten ihn. Irgendwann so sehr, dass er unter dem Namen „Cosmic Spirits“ aus dem Hobby ein Gewerbe machte und sein Künstleratelier zur Destillerie umwandelte.

Man spürt Rauschers Leidenschaft für perfekte Produkte. Dabei verbindet er ganz unmittelbar die Malerei mit seinen Spirituosen, die Ölfarbe mit den ätherischen Ölen.

Denn: Jede Flasche ist ein Unikat und wird mit einer Banderole versehen, die Rauscher aus einem seiner Ölgemälde herstellt und feinsäuberlich um den Flaschenhals bindet. Sein Gin erhält dabei eine blaue Banderole, Absinth eine grüne, keine Flasche gleicht damit der anderen.

Flaschen

Das fertige Produkt: Gin und Absinth aus dem Werksviertel. Foto: Unser Berg am Laim

Nicht nur an die Optik, auch an die Qualität seiner Spirituosen stellt der Künstler höchste Ansprüche. So stammen alle Rohstoffe für seine Spirituosen aus biologischem Anbau – gerade beim Absinth eine Seltenheit. „In ganz Europa gibt es weniger als zehn Destillerien, die biologisch zertifiziert sind und Absinth herstellen“, bekräftigt Rauscher.

Die erste Vorstellung der Produkte von „Cosmic Spirits“ auf einer Spirituosen-Messe in München stimmt Rauscher zuversichtlich: Die Resonanz sei unerwartet gut gewesen. Er erhofft sich daher, die bisher kleine Produktion in Zukunft ausbauen zu können.

Nun stehen zunächst Veränderungen an: Aufgrund der bevorstehenden Schließung der Optimolwerke muss Rauscher sein Atelier und somit auch seine Produktion Anfang kommenden Jahres verlagern. Vom Werksviertel ist Rauscher begeistert. Auf Vermittlung des neu gegründeten Vereins Freunde des Werksviertels e.V. hat er neue Räumlichkeiten im benachbarten Container Collective gefunden. In wenigen Tagen wird Rauscher dort in einem der Überseecontainer eine Kombination aus Kunstausstellung und Spirituosenverkauf eröffnen – und so wieder die Kunst mit dem Genuss verbinden.

Fabian EwaldKunst und Spirituosen: Zu Besuch in Berg am Laims Gin- und Absinth-Atelier